Waldbaden – eine intensive Begegnung mit dem Wald

Sie werden es wohl fast alle kennen: stressige Arbeitstage, ein durchgetakteter Tagesablauf mit den Kindern und selbst ein freier Tag Zuhause ist meist schon voll verplant, bevor er überhaupt begonnen hat.

Klar, wir nehmen uns immer viel vor, wollen immer alles schaffen und haben Zeitdruck. Aber warum eigentlich? Warum müssen wir mit einem Strom mithalten und mit der Welle schwimmen? Wer erwartet von uns eigentlich, dass wir direkt nach dem Klingeln des Weckers top gestylt auf die Arbeit gehen und wie ein richtiger Workaholic rudern und rudern und rudern? Abends warten dann Familie oder Freunde, die man vielleicht schon seit langem nicht mehr gesehen hat. Und natürlich müssen wir hier auch 120% geben und dabei sein. Und dann? Ja, dann fallen wir erschöpft mit einem brummenden Kopf ins Bett und fragen uns, wo ist denn der heutige Tag geblieben, was habe ich alles geschafft? Noch schlimmer: Einem guten Freund von mir passiert es sogar, dass er kurz vor dem Einschlafen noch einmal hellwach wird und ganz gehetzt nach unten zischt, sich ein Stück Papier und einen Stift nimmt und gedanklich schon an morgen denkt: Was steht an? Termin X, Termin Y.

Wenn man sich mal einen kurzen Moment Zeit nimmt und überlegt, was wir Menschen den ganzen Tag tun, finde ich, dass es trotzdem eine ganze Menge ist. Und auch wenn wir Workaholics uns am Abend vielleicht denken, dass heute kein produktiver Tag war. Wir haben es mal wieder geschafft, unser Limit völlig auszuschöpfen oder sogar zu überschreiten – und merken es in unserem Bewusstsein eigentlich gar nicht.

Und wenn ich immer darüber berichte oder schreibe, fällt mir auf, dass ich eigentlich genauso bin. Ich erwarte von mir immer mehr als 100% – und das 365 Tage im Jahr. So bin ich einfach. Aber bei vielen Menschen meldet sich irgendwann der eigene Körper und der Verstand und schreit „Stop“, bis hier her und nicht weiter. Man merkt gar nicht, wie unser eigenes Ich von der ganzen Arbeit und dem ganzen Wissen beansprucht wird.

Mut zum „Waldbaden“

Und damit man nicht in eine fast unlösbare Falle tritt und sich nicht in ein endloses Rad begibt, habe ich hier die optimale Lösung für uns alle gefunden, endlich mal Abstand von „Muss“, „Geht noch“, „Schaffe ich locker“ zu nehmen – eine tiefe Begegnung mit dem Wald und allem, was dazu gehört – „Waldbaden“.

Jetzt werden Sie wahrscheinlich denken, ich spinne jetzt völlig und schweife aus. Aber ich denke, ich kann Ihnen mit meinem kleinen Beitrag etwas auf die Sprünge helfen, um wieder etwas für sich zu tun. Und das heißt jetzt nicht, abnehmen, Sport treiben etc. Nein. Ich will Ihnen damit sagen, dass wir doch einmal nur unsere Augen richtig öffnen müssen, um die natürlichen Schönheiten dieser Erde erkennen zu können und sie auch für uns nutzen zu können.

Also dann, legen wir los:

Stellen Sie sich vor, wir beide unternehmen einen Spaziergang in einen für uns unbekannten Wald. Es ist Früh am Morgen, wir haben uns mit einem frisch gepressten Saft und einem heißen Cappuccino gestärkt und beginnen direkt jetzt mit einer kleinen Wanderung in ein nahegelegenes Waldstück. Während wir aus dem Haus gehen, strahlt uns schon die warme Sonne ins Gesicht und zaubert uns ein Lächeln. Dann zwitschern die Vögel und sausen um uns her, während wir unseren Weg beschreiten.

Und dann sind wir schon da, mitten in einem tiefen, weiten Wald voller Lebewesen, Blumen und prächtiger Bäume. Wir schauen uns um und nehmen die vielen Farben um uns herum wahr. Wir betrachten sie einfach nur. Grün. Braun. Grau. Schwarz. Weiß. Blau. Gelb. Alle ihre Facetten. Und wir erfreuen uns an ihnen.

Dann konzentrieren wir uns ganz auf das Rauschen des Windes in den Bäumen. Sein Klang ist in diesem Moment das Wichtigste. Genauso wie das Rufen eines Käuzchens. Oder das Klopfen des Spechts. Das nächste, was wir wahrnehmen können, ist der würzige Geruch nach nassem Holz. Dazu mischt sich der Duft nach Pilzen. Nach Tannennadeln. Nach Moos und wilden Kräutern. Ganz bewusst schnuppern wir und geben uns ganz hin.

Mit unseren Handflächen streifen wir über die raue Oberfläche der Bäume. Nehmen jede Kerbe wahr. Die Fingerspitzen streicheln über Blätter, Zweige und Zapfen. Wir schließen die ganze Hand um einen kühlen Stein. Spüren genau, wie er sich anfühlt. Spüren den Unterschied zwischen Berührungen mit Fingerspitzen und Handflächen. Ich kann auch den weichen Boden unter mir wahrnehmen und spüre, wie er mich trägt.

Auch das, was ich schmecke, mache ich mir bewusst. Wir finden noch einzelne Beeren, die wir uns auf der Zunge zergehen lassen. Ich nehme meine Umgebung ganz intensiv wahr. Mit allen Sinnen. Alle einzelnen Reize und Impulse erweitern meinen Horizont. Und es entsteht neuer Raum für Gedanken und Ideen.

Das achtsame Sein in der Natur lässt uns innerlich ruhig werden. Ich kann mich öffnen für das Wundersame und es kann wieder Einzug halten in mein Leben. Während wir durch den Wald streifen, konzentrieren wir uns voll und ganz auf das, was einen unserer Sinne gerade am stärksten anspricht.

Glauben Sie nicht, wir sollten uns mal Zeit für andere Dinge im Leben nehmen? Planen Sie, gerne auch zusammen mit der Familie, einen Ausflug in den nahegelegenen Wald oder auf ein weites, blühendes Feld. Ihnen werden so viele schöne Dinge in den Sinn kommen und vor den Augen aufblühen. Waldbaden ist eine andere Form von Wellness für die Seele.

Und ich verspreche Ihnen: Nach einen dieser Begegnungen werden Sie anfangen, die Welt und Ihre Umgebung mit anderen Augen zu sehen. Und vielleicht müssen wir gar nicht so viel Abstand von unserem durchgetakteten Leben nehmen, um uns besser zu fühlen. Ich glaube, es macht die Abwechslung, der regelmäßige Tapetenwechsel. Dann fällt uns die Arbeit leicht. Das frühe Aufstehen, die langen Arbeitstage sind für uns ok. Der volle Terminkalender ist für uns bestimmt irgendwann nicht mehr so „schwer“ abzuarbeiten, wie er es vorher mal war.

Probieren Sie es aus. Verlieren können Sie dabei nichts. Es kann nur besser werden. Für Sie, Ihren Körper, Ihre Familie, Ihre Kollegen, Ihre Freunden und allen anderen, die mit Ihnen Ihr Leben bestreiten.

Viel Spaß und bis bald!

Ihre Lisa-Marie Reichelt

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